Die Grundlagen der Notizentechnik

In diesem Video erkläre ich alle Grundlagen der Notizentechnik für Dolmetscher

In diesem Video fasse ich die Grundlagen der Notizentechnik für Dolmetscher zusammen

Wie lange dauert es, die Notizentechnik für Dolmetscher zu lernen?

Oft geht es weitaus schneller, als viele glauben. Die Theorie kann man sich dabei mit dem richtigen Material schnell erarbeiten. Entscheidend ist dann, wie regelmäßig man sich in der Übungsphase mit der Notizentechnik beschäftigt.

Kurz, aber intensiv

Die Teilnehmer meines Notizentechnik-Kurses, die keine Vorkenntnisse hatten, konnten nach rund 6 Wochen flüssig notieren. Dafür haben sie rund 4 Zeitstunden pro Woche geübt (davon 1 Stunde mit mir, die restlichen für sich alleine). Oft trainieren (angehende) Dolmetscher Ihre Notizentechnik vor Prüfungen intensiv. Einige Wochen sind hier meist ausreichend, um sich deutlich zu verbessern.

Immer mal wieder

Eine andere Herangehensweise, die aber auch zum Ziel führen kann, ist es, sich nach Aneignen der Theorie immer mal wieder mit der Notizentechnik auseinanderzusetzen. Viele (angehende) Dolmetscher gehen diesen Weg und verbessern ihre Notizen nach Einsätzen oder zwischendurch, wenn sie die Zeit dafür finden. Bis man hier das Gefühl hat, sicher und sauber zu notieren, dauert es dann meist zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren – abhängig davon, wie viel Zeit man am Ende investiert.  

Notizentechnik vs. Stenographie: Warum lernen Dolmetscher nicht einfach Steno?

Die Grundprinzipien der Notizentechnik und der Stenographie sind zwei ganz unterschiedliche. Die Notizentechnik soll nur den Sinn erfassen und als Gedankenstütze dienen. In der Stenographie wird fast jedes Wort originalgetreu notiert. Sie kann auch Jahre später noch gelesen werden.

Würden wir eine Rede stenographieren und sie dann dolmetschen wollen, würden wir stark am Ausgangstext kleben und das ergibt meist keine gute Verdolmetschung.

Wir bräuchten viel zu lange, um einen Satz vollständig zu lesen und ihn dann im Kopf in der Zielsprache umzuformulieren. Nichtsdestotrotz gibt es Symbole aus der Stenographie, die man gut verwenden kann oder die zu eigenen Symbolen inspirieren können.  

Vorschau meines Online-Kurses für die Notizentechnik für Dolmetscher

Wie lerne ich die Notizentechnik für Dolmetscher am effektivsten?

Die Notizentechnik ist eine individuelle Sache. Jeder Dolmetscher notiert ein bisschen anders. Trotzdem gibt es Vorgehensweisen und Prinzipien, die sich bewährt haben. Genauso wie bestimmte Symbole, die jedem Dolmetscher helfen.

Die Theorie der Notizentechnik kannst du dir im Selbststudium beibringen. Schwierig wird meist die Umsetzung – wie fängt man an, zu notieren? Vor diesem Problem stand auch ich, nachdem ich mir die theoretischen Grundlagen angeeignet hatte. Ich hatte im Studium damals keine andere Wahl, als zu versuchen, so gut es geht mitzukommen. Über die Jahre hat auch das zu Erfolg geführt, effektiv war es aber im Rückblick nicht.

Ich habe deshalb einen Online-Kurs fürs Selbststudium entwickelt, in dem ich die Notizentechnik Schritt für Schritt erkläre – und insbesondere eben zeige, wie man sie bei der Arbeit als Dolmetscher dann auch anwendet, ohne jahrelang üben zu müssen, bis sie vermeintlich perfekt ist. Weitere Informationen zum Kurs findest du hier.

In welcher Sprache sollte ich notieren?

In der Fachliteratur ist umstritten, welche Bezugssprache für die Notation verwendet werden sollte: die Ausgangssprache, die Zielsprache, die Muttersprache oder ein gemischtsprachiges System?

Meiner Meinung nach ist nur das gemischtsprachige System realistisch und auch sinnvoll. Einerseits bieten sich Ausdrücke in bestimmten Sprachen geradezu an. Ich selbst dolmetsche gar kein Englisch, verwende aber „I“ für „Ich“. Ich benutze das spanische „y“ für „und“.

Dolmetsche ich ins Deutsche, notiere ich Fachbegriffe, die mir schon beim Zuhören einfallen, abgekürzt oder komplett auf Deutsch. Das spart mir später, wenn ich spreche, das Suchen nach diesem Fachbegriff. Notiere ich den Begriff in der Ausgangssprache, klebe ich gedanklich regelrecht an diesem Begriff und die entsprechende Übersetzung will mir einfach nicht einfallen.

Sprachneutrale Symbole sind ein grundlegender Teil der Notizentechnik

Trotzdem sollten sprachneutrale Konzepte und Symbole einen großen Teil ausmachen, denn nur mit ihnen ist es möglich, möglichst viel Inhalt in nur einem oder mit wenigen Symbolen zu notieren und so Zeit zu sparen. Abgekürzte Wörter sind fast immer länger und es besteht Verwechslungsgefahr!

Welchen Dolmetsch-Block sollte ich verwenden?

Es klingt banal, aber ein Block, der sich schlecht umblättern lässt, zu klein oder zu groß ist, kann einem den Einsatz verhageln. Wenn wir dolmetschen, müssen wir uns zu 100% konzentrieren. Alles, was ablenkt, führt dazu, dass uns nicht genug Denkkapazitäten für unsere eigentliche Aufgabe bleiben.

Der richtige Dolmetsch-Block ist eine wichtige Grundlage für die Notizentechnik für Dolmetscher.

DIN A 5 hat sich als Größe für einen Notizblock bewährt.

Auch ein guter Block ist daher eine der Grundlagen für eine funktionierende Notizentechnik. Achte darauf, dass er sich gut umblättern lässt und die einzelnen Blätter dabei nicht hängen bleiben.

Die Aufteilung des Dolmetsch-Blocks

Der Dolmetschblock wird vor dem Einsatz durch eine senkrechte Linie geteilt. So können wir links zum Beispiel wichtige Sinnverbindungen notieren und rechts den eigentlichen Inhalt. So erkennen wir die Struktur des Gesagten mit nur einem kurzen Blick auf unsere Notizen direkt wieder und erinnern uns. Würden wir den Block nicht aufteilen, müssten wir die Notizen regelrecht lesen – das kostet zu viel Zeit und macht auch auf die Zuhörenden keinen guten Eindruck.

Zu den Grundlagen der Notizentechnik für Dolmetscher gehört die Aufteilung des Blocks

Die Zeichen und Symbole

Die Symbole müssen gut lesbar und strukturiert notiert werden, damit man sie beim Dolmetschen auf den ersten Blick erkennt und nicht zu viel nachdenken muss.

Zeichen für die Notizentechnik sollten außerdem schnell und einfach zu notieren sein. Unterschiedliche Zeichen sollten sich nicht zu sehr ähneln, sonst besteht Verwechslungsgefahr. Das gleiche gilt für Abkürzungen. Man ist im Alltag zwar oft versucht, Wörter einfach schnell abzukürzen. Das kann sich aber später beim konsekutiven Dolmetschen rächen. Da überlegt man dann plötzlich, was “ecc.”, “akt.” oder “umg.” eigentlich nochmal heißen sollte. Auch wenn die Symbole natürlich eine Grundlage für eine wirklich professionelle Notizentechnik sind, ist es nicht ratsam, mit den Symbolen anzufangen, wenn man die Notizentechnik lernen möchte. Im Lernprozess gibt es zwei wichtige Schritte, die es vorher zu verinnerlichen gilt. Wie der Lernprozess hin zur eigenen Notizentechnik aussieht, erkläre ich hier.